Cogito ergo sum
Bergen ist ein bayerischer Denkort


von Georg Sieber

 

Genau hier in Baring, das heute Bergen genannt

wird, fand ein großer Philosoph den goldenen

Schlüssel zu definitiver Selbsterkenntnis:

Cogito ergo sum. (Denken beweist meine Existenz.)

 

René Descartes. Er suchte lange und fand hier

die Gewissheit über seine Zukunft und Berufung.

Sein Bestseller bis auf den heutigen Tag heißt:

„Methode, die Vernunft richtig zu gebrauchen.“

 

Descartes, der sich nach damaliger Konvention Cartesius schrieb, war kein höfischer, geselliger Mann. Seine Wintermonate in Neuburg/Bergen (1619/20) blieben deswegen wohl unbeachtet (wie sein Quartier und auch seine Einkünfte.) Sein Regiment hatte das Winterquartier bei Ulm bezogen. Er selber nutzte sein Offiziersprivileg, um die pralle Baukunst der Residenzstadt Neuburg zu erkunden. Die Kosten überstiegen bald seinen Offizierssold. Ein Ordensgeistlicher, Johannes Molitor s.j., fand eine Lösung. Als Novize hatte Molitor den Kloster- hof Baring kennengelernt und gewann Descartes für das schlichtere Leben draußen vor der Stadt. Dort bezogen die beiden schließlich eine große Stube mit Blick in ein sanft geschwungenes Tal. Sie lasen, schrieben und erkundeten mehrfach auch das Donau- und Altmühltal mit seinen Kirchen und Schlössern. Heutige Besucher wie der Lyriker Durs Grünbein (*1962) erleben die Landschaft des Cartesius nahezu unverändert. Das Erleben des Kälte-Winters 1619/20, in dem Descartes seine philosophische Berufung fand, schildert Grünbein als Hommage an Descartes in 42 Vers-Bildern (Kapiteln): "Schnee abstrahiert. Nehmt an, er hat das Bett gemacht/ für die Vernunft.“ Hier treffen Mathematik und Philosophie auf die Ränge der Wahrheitssucher. Hier wird sich auch Descartes, der Schüler des französischen Jesuiten- kollegs La Fleche, seiner Begabung bewusst. Durs Grünbein schildert diesen Baringer Winter, wie ihn Cartesius vor 400 Jahren gesehen hat. Grünbeins Gedichtswerk wird unter dem Titel Titel „Vom Schnee“ und „Descartes in Bayern“ publiziert, bekannt und anerkannt. Auf den vielseitigen Uferhängen und in den Seitentälern der Donau siedelten bereits die Vorläufer der Kelten. Wander- und Karren- wege bündelt später der Jakobsweg, der von Prag nach Regensburg, Ingolstadt und Neuburg führt. Zu den hochgeschätzten Pilgerstationen gehört von Anfang an die Klostersiedlung Baring. So erlebten das die ersten irischen Missionare, genauso die Heerhaufen des 30jährigen Krieges und schließlich auch Dichter wie Durs Grünbein und Besucher unserer Zeit.